Archiv für Dezember 2005

Sozialgericht Bremen, ein Lehrstück

Samstag, 31. Dezember 2005

Wer (wie vermutlich einige Mitarbeiter des Sozialgerichts Bremen) nicht genau weiß, was Weblogs sind oder wie Suchmaschinen funktionieren, der kann in diesen Tagen einiges darüber erfahren, und eine kleine Lehrstunde in Sachen Internet- und Markenrecht gibt es noch dazu.

Am 26.12.2005, dem 2. Weihnachtstag, bekam der Werbeblogger Post eines Günther Klum (Beruf: Vater von Heidi Klum), mit der Aufforderung , den gesetzlich geschützten Markennamen aus der URL eines Blogeintrags zu entfernen.
Auch ein Mitarbeiter des offensichtlich nicht überlasteten Sozialgerichts Bremen hatte über die Feiertage Zeit für’s Internet, und der Shopblogger erhielt am 30.12. die bereits erwähnte Aufforderung, einen Eintrag mit dem Titel “Sozialgericht Bremen” zu ändern.

Spätestens jetzt begann ein Aufstand der Blogger, und und es zeigt sich, wie in der Blogospähre (der Welt der Weblogs) aus einem Schneeball eine Lawine wird.

Keine 24 Stunden nach dem entsprechenden Blogeintrag des Shopbloggers verweisen über 30 Trackbacks auf den Vorfall, das heißt, in mindestens so vielen Blogs wurde der Artikel zitiert, darunter fundierte Einschätzungen der juristischen Lage (Lawblog und Weblawg) .
Vermutlich sehr bald wird man bei heise-online oder golem.de Berichte finden, später wird der Fall durch die Presse gehen.
Bei der Google-Suche nach Sozialgericht Bremen finden sich bereits jetzt Verweise auf den Vorfall, innerhalb weniger Tage werden sich die vom Sozialgericht Bremen beanstandeten Suchergebnisse völlig umkrempeln (ob zur Freude des Sozialgerichts, sei dahingestellt).

Aber auch das gehört zum Lehrstück: Solche Bloglawinen funktionieren meist selbstreferentiell, es gibt sie oft dann, wenn es thematisch irgendwie um Blogs oder Internet geht.

Beim Sozialgericht Bremen, da geht es zu, fast wie in China …

Freitag, 30. Dezember 2005

Aus China ist bekannt, dass versucht wird, kritische Seiten aus den Suchergebnissen von G00gle zu werfen, und leider geht G00gle mit Selbstzensur auf so etwas ein.
Vom Sozialgericht Bremen würde man Ähnliches nicht auf Anhieb erwarten, aber sieh an, was es alles so gibt - das Sozialgericht Bremen (das ich hier ganz normal ausschreibe, auf die Gefahr hin, damit im Index zu erscheinen) beschwert sich beim Shopblogger:

Eine … Zuordnungsverltzung liegt vor, da, wenn man unter Google den Namen “S-o-z-i-a-l-g-e-r-i-c-h-t B-r-e-m-e-n (*)” eingibt, Ihre Internetadresse unter den ersten zehn Treffern erscheint. Es wird suggeriert, dass es sich um eine offizielle Seite des S-o-z-i-a-l-g-e-r-i-c-h-t B-r-e-m-e-n (*) handelt. Da erst die Überschrift erscheint und dann die Seite aufgebaut wird, bleibt dieser Eindruck zunächst bestehen.
Hiermit fordere ich Sie auf, den Namen S-o-z-i-a-l-g-e-r-i-c-h-t B-r-e-m-e-n (*) auf Ihrer Seite (im Archiv) zu beseitigen.

Komplettes Schreiben siehe hier.

Kommentar von Lummaland unter der anmaßenden ;-) Überschrift “Wir sind das Sozialgericht Bremen”:

Das Problem mit Weblogs ist, dass sie selbst von Juristen entdeckt werden können, wenn die nach der Fortbildung freudestrahlend das erste Mal bei Google etwas suchen.

Schönes Fest!

Sonntag, 25. Dezember 2005

Frohe Weihnachten wünsche ich allerseits!

:-)

Ein Euro Job Äpfel-Ernte

Freitag, 23. Dezember 2005

Wer, wie Bürokrat Müntefering, deutsche Arbeitslose in die Produktion schicken möchte statt polnischer Erntehelfer, sollte sich zunächst sachkundig machen. Bitte sehr, kleine Nachhilfe!
Frage: Wenn ein Obstbauer 15 Cent für ein Kilogramm Äpfel (zum Keltern) bekommt, ist das viel oder wenig?
Antwort: Es ist viel und nur dem relativ knappen Angebot zu verdanken. 2004 lag der Preis pro Kilo bei 5 Cent.
(Quelle: SZon)

Gutmütig, liederlich, widerlich

Freitag, 23. Dezember 2005

SZ: Haben die Zehntausende von ausländischen Kindern, die hier aufgewachsen sind und hier ihre Heimat haben, in Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble einen Fürsprecher?
Schäuble: Es ist in Regierungsverantwortung oft eine ganz schwierige Aufgabe, über dem Einzelfall nicht auch die generelle Situation aus dem Blick zu verlieren. Man muß Mitleid mit dem individuellen Schicksal haben, aber eben auch die Notwendigkeit der Gewährleistung von Sicherheit und friedlichem Zusammenleben für die Gesamtheit sehen. Meine Großmutter, das war eine Schwäbin, hat gelegentlich den Satz gesagt: Gutmütigkeit ist oft nahe bei der Liederlichkeit. Wenn Sie den Kindern das Aufenthaltsrecht geben, müssen Sie es den Eltern auch geben …
(Interview mit Schäuble in der Süddeutschen Zeitung.)
Meine Großmutter jedenfalls würde sich für so einen Enkel schämen.

Reiner Wein

Dienstag, 20. Dezember 2005

Aus den USA darf demnächst so ziemlich jedes Gemisch aus Wasser, Trauben, Zucker und Holzspänen unter der Bezeichnung Wein eingeführt werden.
Horst Seehofer war dagegen, dabei müsste so ein Wein doch wohl seinem Geschmack entsprechen, oder ist ihm der etwa immer noch zu biologisch und zu wenig gentechnisch?

Sind 25% Rendite unmoralisch?

Freitag, 16. Dezember 2005

Es ist Ackermanns Dogma. 25 Prozent: Nur mit dieser Rendite, predigt der Vorstandschef, könne die Bank überleben. (Die Zeit)

25% Rendite für die Deutsche Bank? Ist das unmoralisch?

Nunja, ich bin mir nicht ganz sicher, was mit 25% Rendite gemeint sein soll. Wenn ich 10.000 Euro ab jetzt für meine Altersfürsorge zu 25% jährlich anlege, dann habe ich nach 25 Jahren 2.646.977,96 Euro. Das ist soweit ok, und wenn das bei der Deutschen Bank zu haben ist, dann würde ich mich gerne beteiligen.

Aber irgendwie kommt es mir vor, als ob da was faul ist. Und wenn ich lese, wie die Anleger in Immobilien-Fonds der DWS abgezogen werden, dann ich bin doch froh, dass ich Kunde nur der Volksbanken und Sparkassen bin. Die Deutsche Bank soll sich ihre 25% holen, wo sie will, aber bitte nicht von mir.

Stirbt Harry Potter? So ist der Schluss!

Montag, 12. Dezember 2005

Verraten wie Harry Potter ausgeht, ist ganz gemein. Deshalb bitte nur weiterlesen, wenn ihr den Schluss wirklich wissen wollt!

In der Frankfurter Rundschau verrät Hilal Sezgin uns nicht etwa nur das Ende eines schon erschienenen Bandes, sondern was im siebten Band passiert! Natürlich weiß er auch nicht mehr als wir, er hat nur geraten, das aber mit Gründen, und er kommt zu diesem Schluss:

Vielleicht kann Voldemort ausgelöscht werden, wenn die Verbindung zwischen ihm und Harry erlischt, wenn der Kosmos gleichsam das Geschehen zurück nimmt, durch das die beiden aneinander gebunden wurden, die Geschäftsgrundlagen ändert. Kurz und gut: Vielleicht verliert Harry seine Zauberkraft, das wäre wohl Bedingung (und für Harry, dem die ganze Berühmtheit plus der damit verbundene Erwartungsdruck schon von Anfang an zu schaffen machen, eine Erlösung). Zaubererlehrling ade, jetzt beginnt das Muggelleben! - Die Wette gilt.

Munich loves you

Freitag, 09. Dezember 2005

“Man spricht deutsch” hieß es mal bei Polt, aber nicht mal das stimmt mehr im Bayern von heute. München soll jetzt modern sein, und modern, so glaubt man in München, ist englisch, und so hat man in München ein schwaches Werbefilmchen gedreht mit einem schwachen Song und dem schwachen Titel “Munich loves you”.
Firlefanz, klar, aber, wenn man bedenkt, wie “Munich loves you” sich konkret ausgestaltet: Bei einer Verschärfung von Ausländergesetzen jedenfalls ist Bayern immer vorne mit dabei.

Am Erker Jubiläum

Dienstag, 06. Dezember 2005

Das Jubiläum im Kleinen Bühnenboden fand statt in schöner Atmosphäre, alte Bekannte, ein wohlwollendes Publikum … ein perfekter Abschluss meiner Lesungen für dieses Jahr, der aber in einer herben Niederlage endete: Anschließend in der Blechtrommel (dort zu essen übrigens leider nur 1 Frikadelle ohne Brötchen, das war schon drin) beim Kicker-Turnier gnadenlos niedergebügelt von der Redaktionspraktikantin …