Dannys Bewegung, ein Ruck geht durch’s Job-Center

Vor ein paar Jahren im Kino in Frankfurt am Main. Die Werbung ist fast schon durch, da sucht jemand im Halbdunkel zwei Plätze für sich und seine Begleitung. Auch bei wenig Licht unverkennbar: Es ist Daniel Cohn-Bendit, genannt Danny. In der viertletzten Reihe sind zwei Plätze frei, aber einer ganz links und einer in der Mitte. Danny verhandelt kurz, dann stehen acht Leute auf und rücken einen Platz nach rechts.
Als alle gerutscht sind und Danny mit Begleiterin ihre Plätze einnehmen, ruft jemand von hinten: „Hey Danny, das war jetzt die größte Bewegung, die du in letzter Zeit auf die Beine gestellt hast!“
Ach ja, die Zeiten der Bewegungen sind vorbei. Inzwischen bleibt zwar alles anders, aber sonst ändert sich nix.
Um so mehr wird drüber gesprochen. Erst der Ruck, der durchs Land gehen sollte, wißt ihr noch? Später der Ruck, der den Ruck ins Rucken bringen soll. Nach dem Ruck war vor dem Ruck.
Ich vertrete die Theorie, dass wir Bewegung gar nicht wollen.
Deshalb ändern wir die Bezeichnungen für die Dinge, in der Hoffnung, dass die Dinge bleiben können wie sie sind und trotzdem alles besser wird. Diese Einstellung nennt man Nomalismus, wenn ich mich nicht irre, in Deutschland jedenfalls ist sie ganz nomal.
Orientieren wir uns an der freien Wirtschaft: wenn die den Bach runter geht, weil die Leute nicht mehr einkaufen wollen, muss man eben das Einkaufserlebnis oder das Shopping-Event erfinden. Wenn die Arbeitslosigkeit zunimmt, macht man eben aus dem Arbeitsamt ein Job-Center. Gesteuert wird das Ganze von der Bundesregierung, unserer Agentur für Bewegung.
Was aber soll das Job-Center tun - außer regelmäßig Freistellungsprovisionen (früher: Arbeitslosengeld) auszuzahlen an alle die, die den Arbeitsmarkt durch ihre Untätigkeit entlasten?
Ich habe mir darüber Gedanken gemacht und empfehle, das Job-Center sollte sich mit der Einführung neuer Berufsbezeichnungen beschäftigen. Die alten sind nämlich oft ziemlich öde, und es scheint mir, dass so mancher Arbeitsmarktentlaster schon deswegen keine Anstellung findet, weil sein Beruf so dämlich heißt. Zum Beispiel Bestatter. Wer möchte ernsthaft einen Bestatter einstellen?
Ich habe mit einer kleinen Liste begonnen und schlage jeweils (für die Übergangszeit) eine deutsche und (als Vision) eine englische Bezeichnung vor.

Bestatter – Diplomverschiedenenbegleiter/in, wird später: Funeral Master [1]
Lehrling – Diplomauszubildende/r, wird später: Advanced Learning Master
Geselle – Diplomausgebildete/r, wird später: Chief Assistance Master
Kindergärtnerin – Diplomvorschulpädagoge/pädagogin, wird später: Children Garden School Education Master
Abiturient – Vordiplombaccalaureat, wird später: Lower Degree Bachelor Master
Studiumsabbrecher – Hauptdiplombaccalaureat, wird später: Upper Degree Bachelor Master
Fahrkartenverkäufer – Diplomnahverkehrskartenverkaufsmakler/in bzw. Diplomfernverkehrskartenverkaufsmakler/in, wird später: Public Transportation Ticket Distribution Master

[1] Zur Unterscheidung (falls gewünscht) wäre auch denkbar bei nicht akademischen Berufen Master durch Manager zu ersetzen, weil einige deutsche Universitys den Begriff „Master“ gerne für eine Art Studienabschluss verwenden möchten.

Hinterlasse eine Antwort