Ein deutsch Ding ein deutsch Wort

Natürlich (also von Natur aus) ist die deutsche Sprache nicht eindeutig genug, was zu furchtbaren Verwechslungen führen kann.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Der Lehrer, der mit einem Stapel Papier vor dem Grundkurs Biologie steht und das Zeug verteilen soll, der kann doch nicht einfach sagen: „Hier, eure Zettel.“ Wie würde das klingen? In den Dingern steckt die Arbeit eines halben Wochenendes. Zettel, ich bitte euch.
„Flyer“ ist aber auch Scheiße. Das hieß früher Flugblatt (und seit Möllemanns Flyer würde Fluchblatt passen.) Also, „Flyer“ geht nicht. Man kann an den Grundkurs Bio nicht Flyer verteilen, außer, wenn man ihn zur Fete einlädt.
Und Blätter, das könnten ja auch die Blädder vom Baum sein. Es könnte sein, dass ein Lehrer, eine Lehrerin sagt, und ein Schüler, eine Schülerin hört: „Ich verteile jetzt die Blädder“, und der Schüler, die Schülerin denkt, es wären die Blädder von einem Baum. Das gäbe ein großes Durcheinander.
Wir Deutschen sind aber nicht für Durcheinander, sondern für Ordnung. Eindeutig ist bekanntlich die hochdeutsche Schreibweise für das sächsische Eindeutsch, womit der Sachse ursprünglich meinte: Ein deutsch Ding ein deutsch Wort.
Nur gibt es in Deutschland längst nicht mehr nur deutsche Dinge und vor allem mehr Dinge als deutsche Wörter.
Schon der Gang durch einen mittelgroßen Supermarkt verdattert uns heutzutage zur Sprachlosigkeit, weil wir einfach keine Ausdrücke mehr haben für all das, was es dort so gibt.
Unsere Vorfahren haben zuerst versucht, irgendwelche vorhandenen Wörter zu verwenden und zur Unterscheidung die Schreibweise zu verändern.
Also Weise (Art) und Waise (elternlos) oder Seite (im Buch) und Saite (auf der Geige) , was keine sehr eleganten Beispiele sind, weil das eine nichts mit dem anderen zu tun hat. Schöner wäre die Unterscheidung Telephon (mit Wählscheibe) , Telefon (mit Tasten) , Telefohn (schnurlos im Festnetz) und Teelefohn (schnurlos mobil).
Aber eigentlich ist das alles Quatsch, weil man die Unterschiede ja nicht hört. Wie soll ich am Teelefohn ohne zu buchstabieren meinem Gesprächspartner klarmachen, dass ich gerade mit einem Teelefohn teelefohniere? Gut, der Italiener würde das Problem mit Gestikulieren lösen. Aber der Deutsche?
Um eindeutsch zu sein, ist er neudeutsch geworden. Der neudeutsche Lehrer verteilt die Arbeitsblätter und sagt: „Ich verteile jetzt die Blädder, auf neudeutsch Handouts.“
Da denkt dann niemand, es wären die Blädder vom Baum.

Hinterlasse eine Antwort